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Nachruf zum Tode von Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Erich Gräßer

Am 2. Juni 2017 verstarb Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Erich Gräßer im Alter von 89 Jahren. Er gehörte der Evangelisch-Theologischen Fakultät von 1979 bis 1993 als Professor und Lehrstuhlinhaber für Neues Testament an. Im Amt des Dekans stand er der Fakultät 1982 bis 1983 vor. Als Lehrer und Forscher hat er sich hohes Ansehen erworben. Die Evangelisch-Theologische Fakultät gedenkt seiner in großer Ehrerbietung und Dankbarkeit.

Nachruf Prof. Dr. Dr. h. c. mult. Erich Gräßer

Nach einer durch die letzten anderthalb Jahre des Krieges als Soldat unterbrochenen Gymnasialzeit studierte Erich Gräßer ab 1948 Evangelische Theologie in Wuppertal, Tübingen und Marburg. Nach dem 1. Theologischen Examen bei der Evangelischen Kirche im Rheinland wurde er Mitarbeiter von Werner Georg Kümmel in Marburg und promovierte bei diesem über das Thema „Das Problem der Parusieverzögerung in den synoptischen Evangelien und in der Apostelgeschichte“ – eine Arbeit, die als Monographie drei Auflagen erlebte, 2015 noch einmal nachgedruckt wurde und bis heute die Diskussion eschatologischer Themen in Zustimmung und Widerspruch bestimmt. Nach Vikariat (Rheinbach), 2. Theologisches Examen, Ordination und Pfarrdienst (Oberhausen) in der Rheinischen Landeskirche (bis Ende 1961) erfolgte 1964 die Habilitation und Verleihung der venia legendi für das Fach Neues Testament in Marburg. Mit dem Thema „Der Glaube im Hebräerbrief“ hatte er einen weiteren Schwerpunkt für sein wissenschaftliches Lebenswerk gefunden. Nach kurzer Lehrtätigkeit in Marburg übernahm er 1965 eine ordentliche Professur an der Ruhr-Universität Bochum und wurde 1979 als Nachfolger von Philipp Vielhauer auf einen Lehrstuhl für Neues Testament an die Universität Bonn berufen. Dort wirkte er bis zu seiner Emeritierung im Jahre 1993, blieb aber auch danach durch ergänzende Lehrveranstaltungen an der Fakultät sowie durch einen regelmäßigen Lehrauftrag an der Universität Greifswald in der Lehre aktiv. Im akademischen Jahr 1982-83 nahm er das Amt des Dekans wahr.

Erich Gräßers wissenschaftliches Werk deckt nahezu den gesamten Bereich der neutestamentlichen Wissenschaft ab, umfasst aber auch für einen Exegeten eher ungewöhnliche Gebiete und Interessen. Seine Forschungs- und Publikationsschwerpunkte lagen neben der Eschatologie und dem Hebräerbrief im Bereich hermeneutischer und ethischer Fragen (jüdisch-christlicher Dialog, Tierschutzethik) sowie in einer neuen Würdigung Albert Schweitzers als Theologen, dessen wiederentdeckte Straßburger Vorlesungen er herausgab. So verband er in eigenständiger Weise das Erbe seines Marburger Lehrers Rudolf Bultmann mit dem Erbe der liberalen Theologie in Person und Werk Albert Schweitzers. Als verantwortlicher bzw. Mit-Herausgeber wirkte er viele Jahre für die „Zeitschrift für die neutestamentliche Wissenschaft“, die „Theologische Rundschau“, „Verkündigung und Forschung“, die Reihe „Wissenschaftliche Monographien zum Alten und Neuen Testament“ sowie für die Kommentarreihen „Evangelisch-Katholischer Kommentar zum Neuen Testament“ und „Ökumenischer Taschenbuchkommentar zum Neuen Testament“ und steuerte selbst einen dreibändigen Kommentar zum Hebräerbrief (EKK) und einen Kommentar zum 2. Korintherbrief (ÖTK) bei. Auch seine ständige Mitarbeit bei den „Göttinger Predigtmeditationen“ ist zu erwähnen. In Bonn war er die treibende Kraft hinter einem gemeinsamen kath.-evang. Oberseminar (mit Helmut Merklein), das damals noch ungewöhnlich und wegweisend war und bis heute als Neutestamentliche Sozietät der beiden Fakultäten besteht. Für seine außergewöhnlichen Leistungen in Lehre und Forschung wurden ihm Ehrendoktorate der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Bonn und der Theologischen Fakultät der Universität Greifswald zuteil.

Am 2. Juni 2017 ist Erich Gräßer im Alter von 89 Jahren gestorben. Er hinterlässt drei Kinder aus seiner Ehe mit Ingeborg Gräßer, geb. Eberbach, die ihm bereits vor Jahren vorausgegangen ist und die sein Engagement im Bereich des Tierschutzes maßgeblich angeregt hatte.

Erich Gräßer hat sich als akademischer Lehrer, Forscher und Kollege hohes Ansehen, Freundschaft und Respekt erworben. Die Evangelisch-Theologische Fakultät der Universität Bonn gedenkt seiner in großer Ehrerbietung und Dankbarkeit.

Prof. Dr. Günter Röhser, Dekan

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